Villa Wieser mit Dorfbrunnen

Kultur in Herxheim

"Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern Kunst macht sichtbar" (Paul Klee)

8 Altenzentrum St. Josef

Altenzentrum St. Josef

Do drauß im Sandkasten – wer Glück katt hot, hot ä Schippelche gehabt. Awwer meistens nit. Mit Schuhwichsschachtle, des waren unsere Sandformen. (Erinnerungen von 1936)

Wissen für schlaue Köpfe

Dieses Haus wurde vor 170 Jahren eingerichtet. Arme Kinder konnten hier jeden Tag eine warme Suppe essen. Doch es gab so viele Menschen, die Hilfe benötigten – behinderte Menschen, Waisenkinder und Kranke. Sie alle fanden hier Hilfe und ein neues Zuhause. Es gab einen Kindergarten, da waren Nonnen die Erzieherinnen. Es gab sehr wenige Spielsachen und die größeren Kinder mussten auf die Kleinen aufpassen. Größere Mädchen konnten in einer Nähschule nähen lernen. Sogar eine Krankenstation gab es. Viele Herxheimer Frauen haben ihre Babys hier geboren. Das Haus war ein Armen -und Waisenhaus, heute ist es ein Altenzentrum. Es ist viel größer als früher, denn viele Menschen brauchen Hilfe, wenn sie alt und gebrechlich werden.

1847 als Suppenküche gegründet, wurde St. Josef später Heim für Bedürftige und ist heute ein modernes Altenzentrum.
1847 als Suppenküche gegründet, wurde St. Josef später Heim für Bedürftige und ist heute ein modernes Altenzentrum.


Weiterführende Information

  • „Von der Wiege bis zur Bahre“

    Die Geschichte des sozialen Engagements in Herxheim begann 1847 mit der Einrichtung einer Suppenküche für die Armen im Anwesen einer früheren Adelsfamilie. Als Reaktion auf die großen Nöte jener Zeit erhielten 700 Bedürftige täglich eine warme Mahlzeit. Doch die Unterstützung und Hilfe reichte nicht aus. So wurde 1855 im Gemeinderat die Einrichtung eines „Armen –und Waisenhaus“ beschlossen. Es entstand ein Wohnheim für Behinderte, Arme, Waisen und alte alleinstehenden Menschen. Die Herxheimer nannten das Haus oft „'s Armehaus“. Aus der Ordensgemeinschaft „Niederbronner Schwestern“ im Elsass kamen anfangs vier Schwestern nach Herxheim, um das Haus zu leiten und zu betreuen. Über viele Jahrzehnte sollten sie das Rückgrat des Hauses bilden.

    Das historische Gebäude des "St. Josefheims".
    Das historische Gebäude des "St. Josefheims".

    Die dem Heiligen St. Josef gewidmete Kapelle im Vordergebäude diente den Schwestern als Ort der Andacht und des Gebetes, es wurden Taufen und Aussegnungen durchgeführt.

    In den umliegenden Feldern und Gärten legten die Schwestern umgehend eine Landwirtschaft mit großem Gemüsegärten an. Schon 1882 platzte das Haus aus allen Nähten, die Zahl der bedürftigen Kinder war weiter angestiegen. 1913 wurden ein Kindergarten und eine Handarbeitsschule für Mädchen eingerichtet, ab 1927 gab es eine Kinderkrippe. Noch heute erinnern sich einige Herxheimer Frauen an die „Scheesekinner vom Josefsheim“. Die Kinder wurden frühmorgens von ihren Müttern in ihrem eigenen Kinderwagen (Schees) gebracht und abends wieder abgeholt. Windeln und Essen für den Tag musste mitgebracht werden. Die Bauersfrauen brachten die Kinder nur zur Erntezeit, die Arbeiterinnen in den Tabakfabriken jeden Tag.

    Das allerschlimmste wo mir gedenkt: Ein Waisenkind hot ä paar Strimp ghatt, handgestrickt. Bis halber zu de Wade warn se orange und dann braun oder umgekehrt. Des war für mich än Horror, wann ich blos dran gedenk häbb, dass ich so Strimp hät anziehe müsse. (Erinnerung 1937)

    Von 1962 bis 1973 gab es eine Säuglings- und Wöchnerinnenstation. Zwischen 1950 und 1965 kamen wohl die meisten Herxheimerinnen und Herxheimer im „Josefsheim“ zur Welt. Die Schwestern waren auch in der ambulanten Krankenpflege und der häuslichen Sterbebe-gleitung tätig. Dem Denkansatz der heutigen Hospitzbewegung waren sie damit um Jahrzehnte voraus.

    Ab 1976 erfolgte der Umbau zu einem Altenzentrum. Die Art und Form der Bedürftigkeit hatte sich immer wieder geändert, medizinische und technische Entwicklungen brachten neue Versorgungsformen. Das „St. Josefsheim“ war in den Jahren seines Bestehens ein Ort, der für die Menschen in vielen Lebenssituationen wichtig gewesen war. Immer war und ist es ein Ort der Wohltätigkeit, der Versorgung und respektvollen Pflege für die Ärmsten der Gesellschaft.

  • Kontakt

    Altenzentrum St. Josef
    Richard-Flick-Straße 2
    76863 Herxheim
    Telefon 07276/92939-0
    Telefax 07276/92939-199
    info@altenzentrum-herxheim.de