Villa Wieser mit Dorfbrunnen

Kultur in Herxheim

"Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern Kunst macht sichtbar" (Paul Klee)

11 Hugo Ball

Hugo Ball

Ich will es nicht zu etwas bringen, ich will meine Gedanken durchsetzen. (Hugo Ball)

Wissen für schlaue Köpfe

Bronzeplastik des Dadaismus-Mitbegründers, Pazifisten und Schriftstellers Hugo Ball,  dessen Wurzeln in Herxheim liegen.
Bronzeplastik des Dadaismus-Mitbegründers, Pazifisten und Schriftstellers Hugo Ball,  dessen Wurzeln in Herxheim liegen.

Die Büste auf dem Foto zeigt den Pfälzer Künstler und Schriftsteller Hugo Ball. Er wird mit einem hohen Hut und einem Umhang um die hochgezogenen Schultern dargestellt.

Hugo Ball trug das Kostüm, wenn er Auftritte hatte und das Verrückte war: das Kostüm war aus Pappkarton gemacht. Der Künstler war ein ganz besonderer Dichter. Er machte Gedichte und Verse mit Wörtern, die er selbst erfand, er setzte Silben neu und oft ohne Plan zusammen.

In seinen Texten kommen Laute wie bumm-krach-knarr vor, es gibt keine Reime. Diese Art der Dichtung nennt man Lautmalerei. Für uns hört sich das verrückt, schräg und lustig an. Warum er das tat? Weil er und andere Künstler damit gegen die Gewalt, gegen eine Welt im Krieg und gegen das Chaos der Welt demonstrieren wollte.

Es entstand eine neue Kunstform, die Hugo Ball Dadaismus nannte.



Weiterführende Information 

  • Der Künstler

    Hugo Ball, Sohn der Herxheimerin Josefine Arnold und des Schuhreisenden Karl Ball, wurde 1886 in Pirmasens geboren und wuchs dort auf. Er begann mit traditionellen Gedichten und Texten über die Idylle des Pfälzer Waldes. Nach dem Studium arbeitete er am Theater in München. Als er 1912 die exzentrische Autorin und Künstlerin Emmy Hennings kennenlernte, wurde er in die Turbulenzen der literarischen Avantgarde hineingezogen. Während des 1. Weltkrieges emigrierte er mit ihr in die Schweiz. 

    Hugo Ball im Cabaret Voltaire. 
    Hugo Ball im Cabaret Voltaire. 

    1916 begründeten sie das Cabaret Voltaire in Zürich und bereiteten der Kunstform des Dadaismus den Weg. Die Künstlerinnen und Künstler, die sich dort trafen, einte der Wunsch, sich mit ihrer Kunst einer Welt im Krieg zu verweigern. Als Pazifisten protestierten sie gegen politische Willenlosigkeit und Hörigkeit, gegen den Krieg, gegen kirchliche Autoritäten und gegen den Missbrauch der Sprache. Verwirren und Provozieren war die Absicht. Ball reichte die herkömmliche Sprache nicht mehr aus, um eine Welt zu beschreiben, die ihn sprachlos machte. Er erfand Lautgedichte, die stammelnd und verrätselt, aber überaus klangvoll und poetisch waren. Satzfragmente wirkten wie willkürlich zusammengefügt, begleitet von Lärmmusik. Traditionelle Hörgewohnheiten wurden völlig auf den Kopf gestellt, aus Sprachkritik wurde Gesellschaftskritik.

    Ball war vielseitig: Er arbeitete als Journalist, Schriftsteller, Lektor, Dramaturg, Dichter, Vortragsreisender, Klavierspieler, Klavierlehrer, Schauspieler, Biograf, Notenschreiber u.v.m.  Sein Leben war geprägt von sprunghafter Sinnsuche und stets prekären wirtschaftlichen Verhältnissen. 1927 starb er mit nur 41 Jahren im Schweizer Exil. Er gilt mittlerweile als einer der bedeutendsten Pfälzer Künstler.

  • Ein dadaistisches Gedicht

    Karawane  Zug der Elefanten, 1917 

    jolifanto bambla o falli bambla
    grossiga m'pfa habla horem
    egiga goramem
    higo bloiko russula huju
    hollaka hollala
    anlogo bung
    blago bung
    blago bung
    bosso fataka
    u uu u
    schampa wulla wussa olobo
    hej tatta gorem
    eschige zundaba
    wulubu ssububu uluw ssubudu
    tumba ba- umf
    kusagauma
    ba - umf

    Zug der Elefanten: Ein dadaistisches Gedicht
    Hugo Ball, 1886-1927