Villa Wieser mit Dorfbrunnen

Kultur in Herxheim

"Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern Kunst macht sichtbar" (Paul Klee)

10 Dorfbächel

Das Dorfbächel

Wer ein richtiger Herxemer ist, muss ämoll im Leben ins Dorfbächel gefalle sein. (H. Rieder)

Wissen für schlaue Köpfe

Das Dorfbächel war ein Bachlauf im Dorf. Er war sehr wichtig für die Menschen. Das Trink-wasser wurde aus einem Brunnen mit einem Eimer hochgezogen. Doch das Wasser fürs Wäsche waschen, fürs Gießen im Garten und für die Tiere musste man mit Eimern am Bach holen. Zu jedem Haus in der Straße führte eine kleine Brücke über den Bach. Für die Kinder war das Spielen am Bach und das Sammeln von Kaulquappen ein großer Spaß. Doch oft war der Bach auch sehr schmutzig. Als die Wasserleitungen gebaut wurden, brauchte man das Dorfbächel nicht mehr, es wurde in Rohre verlegt.

Das Dorfbächel prägte Herxheims Ortsbild über mehrere Jahrhunderte. Seit 1992 erinnert ein Denkmal an seine Geschichte.
Das Dorfbächel prägte Herxheims Ortsbild über mehrere Jahrhunderte. Seit 1992 erinnert ein Denkmal an seine Geschichte.


Weiterführende Information

  • Das historische "Dorfbächel"

    Ab 1531 floss ein Bach durch den Ort, gespeist aus dem Quodbach bei Impflingen. Der schmale, mit Holzbalken eingefasste Wasserlauf schlängelte sich 3,9 km durch die Hauptstraße. Er erleichterte das Leben für die Menschen enorm. Man nutzte das Wasser zum Putzen, Waschen und Gießen. Doch die größte Wassermenge wurde für die Viehtränke benötigt. Zugtiere konnten sich nun am Bach selbst tränken, was die Versorgung der Tiere wesentlich erleichterte. Ganz wichtig war das Wasser für die Brandbekämpfung: Die Dorfordnung von 1544 erwähnt Wasserspritzen zur Feuerbekämpfung und Neubürgerinnen und -bürger mussten die Ledereimer für das Löschwasser bezahlen.

    Ursprünglich floss das Bächel in der Straßenmitte. Doch mit zunehmender Größe des Ortes und der Zunahme des Verkehrs durch Fuhrwerke, störte der Bach immer mehr. 1842 wurde die Straße neu gepflastert und bei dieser Baumaßnahme verlegte man den Bachlauf auf die Straßenseite. Mit dem Bau der Wasserleitung 1929 verlor das „Dorfbächel“ schließlich seine Funktion, und 1951/52 verschwand es mit dem Bau der Kanalisation innerorts ganz. 

    Des Dorfbächel war sehr dreckig und vor jedem Haus führte eine Brücke drüber. Wir Kinder sammelten die Kaulquappen im Bach und hüpften so lange hin und her, bis einer von uns hineinfiel und eine Ohrfeige erhielt. Als Mädle haben mer immer am Hügel hinter der Bruchgasse bei de Hutkattl gebadet. Da wir keine Badeanzüge hatte, haben wir Schürze umgebunden und sin ins Wasser gesprunge. Wir haben auch ein Spiel gegen Warzen gespielt: Man musste sich unter eine Brück vom Dorfbächl setze, wenn ein Leichenzug vorbeizog und den Spruch sagen: „Warz nimm ab, wie der Tod im Grab."