Villa Wieser mit Dorfbrunnen

Kultur in Herxheim

"Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern Kunst macht sichtbar" (Paul Klee)

3 - Waschplatz

Der Waschplatz

Samstags sinn alle Kinner in de Wäschkich gebade worre. All Donnerstagnacht un Freidachnacht esch vun de Fraue durchgewäsche worre. (Erinnerungen, 1955)


Wissen für schlaue Köpfe

Früher hatten die Menschen keine Wasserleitungen in ihren Häusern. Man musste das Wasser zum Trinken, Kochen, Gießen und Waschen aus einem Brunnen im Garten schöpfen. Vor allem das Wäschewaschen war für die Frauen sehr mühsam. Die schmutzige Wäsche wurde in Kesseln im Haus gekocht und gebürstet und dann mit einem Handwagen zum Bach gebracht. Dort gab es einen Waschplatz aus Stein direkt am Wasser. Die Kleidungsstücke wurden geschwenkt, bis die Seife rausgewaschen war. Die nasse Wäsche war schwer und für das Auswringen brauchte man viel Kraft. Als 1928 im Dorf eine Wasserleitung gebaut wurde, hatten es die Menschen leichter. Und als es endlich Waschmaschinen gab, war die Freude riesig groß. Denn nun übernahm die Wäschetrommel die Arbeit. Der Waschplatz erinnert an die harten Arbeitsbedingungen in dieser Zeit.

Originalgetreue Rekonstruktion am Klingbach, gestaltet mit Bronzeplastiken von Barbara und Prof. Gernot Rumpf.
Originalgetreue Rekonstruktion am Klingbach, gestaltet mit Bronzeplastiken von Barbara und Gernot Rumpf.


Erinnerung an Zeiten, in denen Wäsche von Hand und im Freien gewaschen wurde. Wer sieht die Rumpf-Maus?
Erinnerung an Zeiten, in denen Wäsche von Hand und im Freien gewaschen wurde. Wer sieht die Rumpf-Maus?


Weiterführende Information 

  • Vom Waschplatz zum Kunstwerk

    1997 wurde der Waschplatz originalgetreu wiederhergestellt. Im Oktober 2005 folgte die Einweihung der Skulpturen des Künstlerpaares Barbara und Prof. Gernot Rumpf: Bronzene Waschutensilien wie Waschkorb, Wäscheleine und Waschbrett erinnern heute an die frühere Funktion dieses Ortes als öffentlicher Waschplatz.
    In Herxheim gab es zwei Waschplätze – einen an der Brücke in der Holzgasse und einen in der Speiertsgasse. Die Brücken waren schmal, so war hier genug Platz für die Waschbänke aus Stein. Zusätzlich gab es eine steile Einfahrt für Fuhrwerke, die direkt ans Wasser führte. Hier konnten Pferde und Wagen ins Wasser geleitet werden. An besonderen Vertiefungen konnten die Pferde bis zum Bauch stehen, ein perfekter Platz zur Reinigung der Tiere, aber auch zur Reparatur der Wagenreifen.
    Erste öffentliche Wäschereien gab es ab den 1950er Jahren. Das Konzept der Selbstbedienungs–Waschsalons kam aus den USA zu uns, der Kauf einer eigenen Waschmaschine war meist finanziell noch nicht möglich. Die Wäscherei war ein Frauenort – ein Platz der Arbeit, der Kommunikation und des Austauschs: Es wurde gebürstet, geschrubbt, gewaschen, getratscht, gesungen, gelacht und geweint. Mit Beginn der 1960er Jahre konnten sich immer mehr Haushalte eine eigene Waschmaschine leisten.

    So, ehr Leit, ich geh heit zum Haug Schorsch, do esch ä Miele-Vorführung. De Dumser zeigt was Neies – ä Wäschmaschine. Probewäsche: Do nemm ich mei Kochwäsch gleich mit. Kä Stampfe, kä Schrubbe, kä Schlache, sondern rein und blüdeweiß. (aus dem Theaterstück "Wasser Weiber Weiße Wäsch")
  • Wie ein gewöhnlicher Waschtag ablief

    • Einweichen der Wäsche, mehrmals mit heißer Aschenlauge übergießen.
    • Auskochen von stark verschmutzter Wäsche in Kernseife und Soda-Wasser. Immer wieder mit großem Kochlöffel umrühren; hartnäckigen Schmutz mit Klopfer und Waschbrett bearbeiten; mit dem Wäschestampfer die Lauge durch die Wäsche pressen.
    • Mit dem Handkarren alles zum Waschplatz bringen. Dort beginnt die körperlich sehr schwere Arbeit des Schwenkens im kalten Flusswasser und das Auswringen.
    • Die Wäsche zum Trocknen zu den Tuchbleichen transportieren. Das waren ausgedehnte Wiesenflächen, z. B. am Badstubenweg. Ausbreiten der Tücher und immer wieder mit Wasser begießen, denn das Sonnenlicht hatte durch die chemische Reaktion (Entstehung von Wasserstoffperoxid H3) eine bleichende Wirkung. Hin und wieder jedoch störten herumstolzierende Gänse und Enten das Waschergebnis beträchtlich.


    Mitte Juli 1878 riss ein Sturm auf der Tuchbleich 40 Tuch in die Luft und eine Viertel Stunde Wegs in der Luft mitgenommen. (aus dem Hausbuch Johannes Eichenlaub)