Katholische Kirche St. Maria Himmelfahrt
Die Herxheimer Dorfkirche ist nun nach der Renovierung nicht etwa eine kleine einfache Dorfkirche, sondern größer und raumvoller als viele Dome. (Dekan Hans Geraldy, 1969)
Wissen für schlaue Köpfe
Schon vor 800 Jahren gab es eine Kirche in Herxheim. Der Chor – das ist der mehreckige erhöhte vordere Bereich, wo der Altar steht – ist schon 500 Jahre alt und die unteren Mauern sind noch alle erhalten. Das Langhaus – das ist der Bereich, wo die Bänke stehen und wir im Gottesdienst sitzen – musste vor 250 Jahren auf die doppelte Länge erweitert werden. Denn es waren immer mehr Menschen nach Herxheim gezogen und da reichten die Sitzplätze im Gottesdienst nicht mehr aus. Der Turm ist auch schon mehrmals umgebaut worden, er wurde immer höher gebaut, damit die weiter entfernt wohnenden Menschen die Glocken auch hören konnten. Er ist 57 m hoch, das Kreuz mitgerechnet. Das Glockenläuten war für die Menschen sehr wichtig, wenn ein Feuer oder Sturm angesagt war, denn so konnte man gewarnt werden. Später hat man dafür Sirenen erfunden.

Weiterführende Information
Baugeschichtliches
Herxheim wird erstmals im Jahre 773 als fränkische Siedlung „Harieschaim“ erwähnt. Zu dieser Zeit hat es wohl schon eine Pfarrei mit Kirche gegeben; Der Standort der Kirche war von Anfang an der Kirchberg. Die Kirche wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umgebaut oder teil-umgebaut. Eine Inschrift weist auf 1507 als Bauzeit des Chors hin. Der Umbau in den Jahren 1776/1776 war dem starken Bevölkerungszuwachs geschuldet, die Kirche wurde um einen hallenartigen spätbarocken Anbau vergrößert. Wesentliche Bauteile des heutigen Kirchenschiffs stammen aus dieser Zeit.
Die Glasfenster stammen aus dem Jahr 1909 aus der Werkstatt Ostermann-Hartwein (München); Thema der Malereien auf den Fenstern ist die in Herxheim allgegenwärtige Marienverehrung.
Bis um 1900 war die Kirche Teil des öffentlichen Lebens, denn der Kirchturm gehörte der Gemeinde. So diente er als Ausguck nach herannahenden Feinden, die Kirchturmuhr zeigte für alle die Zeit an und die Glocken hatten ihren Einsatz als Polizeiglocken: Sie wurden bei Unwetter- oder Feueralarm geläutet. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die katholische Kirchengemeinde alleinige Eigentümerin aller Bauteile. Die bisher letzte Erneuerung mit dem steilen Turmhelm und Erhöhung des Turms auf stattliche 57 Meter (inklusive Kreuz) im Jahre 1967 ermöglichte, dass im wachsenden Dorf alle Menschen die Glocken auch weiterhin hören konnten.
Der Kirchberg ist von Rosskastanien und Linden geprägt, die zu den Naturdenkmälern im Landkreis Südliche Weinstraße gehören. Eine imposante Treppenanlage führt zur Kirche hinauf. Schön ist der Blick nach Süden zu dem Häuserensemble des Museums.Innenausstattung
Das neun Meter hohe Sakramentshäuschen aus dem Jahre 1520 gilt als das schönste in der Pfalz. Ins Auge fällt auch die imposante Kanzel des Spätrokoko an der Südseite des Langhauses. Der Flügelaltar aus dem Jahre 1950 ist dem Marienleben und der Marienverehrung gewidmet, der Mittelteil zeigt den Tod Marias. Die Rückseite der Flügel zeigen je ein Bild des Nebenpatrons Hl. Laurentius und des Hl. Sebastian. Hier kann der Bogen zur Brotgabe bei der Laurentiusbrotweihe gezogen werden.
© Heidi. Kommunikation + DesignAuch der Kirchenraum ist besonders schön und sehenswert: der Flügelaltar von 1950, ein nahezu neun Meter hohes spätgotisches Sakramentshäuschen sowie die imposante Kanzel des Spätrokoko an der Südseite des Langhauses.Denn der Märtyrer Laurentius war ein volkstümlicher Heiliger, ein Retter und Helfer in der Not, und er versorgte als Diakon im frühchristlichen Rom die Armen und Notleidenden mit Brot gegen den Hunger. Der Märtyrer Sebastian war der Schutzheilige gegen die Pest.
Die Laurentius-Brotweihe
Menschliche Solidarität und Empathie
1666 bricht in Herxheim die Pest aus. Das Dorf wird von der Außenwelt isoliert, niemand darf rein oder raus. Da jeglicher Handel unterbrochen wird, gehen die Nahrungsmittel aus. Hilferufe der Herxheimer erreichen die Ottersheimer Nachbarn über die Banngrenze hinweg; daraufhin stellen die Ottersheimer Bürger Körbe mit Brot an der Gemarkungsgrenze „Finsterloch“ – heute als „Finsterfeld“ bekannt – ab. Die Pest wütet aber weiter und es gibt kein Heilmittel. So bitten die Menschen in größter Not Gott um Hilfe und geloben: „Wenn Pest und Hunger schwinden, werden wir jedes Jahr auf ewige Zeiten nach der Ernte das Erstlingsbrot weihen lassen und einen Zweispänner-Wagen voll ins Finsterloch fahren und es dort an unsere Wohltäter und die Armen verteilen“. Das Erstlingsbrot war ein bedeutsames Lebensgut für die damalige Bevölkerung; denn wenn die Kornvorräte vor der neuen Ernte ausgingen, gab es kein Brot und die Menschen mussten hungern. Der Überlieferung nach verschwand die Pest und das Gelübde wird seitdem jedes Jahr erfüllt – seit 30 Generationen. Initiator des Gelübdes war wohl Pfarrer Nicolaus Trittheim (1653-1674). Vielleicht hat diese Nothilfe die soziale Einstellung der Herxheimer Menschen nachhaltig geprägt.
Brotweihe auf dem Kirchberg. Foto: Archiv.
Auf der Fahrt ins "Finsterfeld". Foto: Archiv.
