Das Museum Herxheim
Dem Museum Herxheim gelingt es hervorragend, Epochen der Geschichte, zwischen denen über sieben Jahrtausende
liegen, unter einem Dach zu vereinen. Steinzeit und Neuzeit sind hier keine Gegensätze, sondern Facetten der Geschichte eines Ortes, in dem sich globale und lokale Entwicklungen schon immer wechselseitig durchdrungen haben – von der Neolithischen Revolution bis hin zur Nachkriegszeit. (Prof. Dr. Jürgen Hardeck, Staatssekretär im Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz )
Wissen für schlaue Köpfe
Der „Herxi“ ist ein etwa 7000 Jahre altes Skelett und der Star im Museum Herxheim. Er wurde vor fast 30 Jahren zusammen mit vielen anderen Sachen entdeckt und ausgegraben: Knochen und Schädel von vielen Hundert Menschen, Bruchstücke von Gefäßen aus Ton und Handwerkszeug wie Beile und Pfeilspitzen aus Feuerstein. Archäolog*innen haben die Funde in die Zeit des sogenannten Neolithikums datiert - das ist die Zeit, die man auch Jungsteinzeit nennt. In der Zeit davor sind die Menschen mit ihrem Hab und Gut wilden Tierherden hinterhergezogen und haben sich durch Sammeln und Jagen ernährt. In der Jungsteinzeit, vor etwa 7000 Jahren, lebten die Familien nun in großen Langhäusern. Sie waren sesshaft geworden, bauten Getreide und Hülsenfrüchte an, hielten Rinder, Schafe, Ziegen, und Schweine, und stellten fein verzierte Gefäße aus Ton her. Im Museum kannst du viele der ausgegrabenen Funde sehen und einiges erfahren. Komm doch mal vorbei.

Weiterführende Information
Das Museum
Das Museum Herxheim steht auf dem Gelände einer ehemaligen fränkischen Hofanlage. Um den Museumshof gruppieren sich Wohnhaus, Stall- und Scheunengebäude und das Herxheimer Historarium. Das Haus erzählt Kulturgeschichte(n) von der jüngeren Steinzeit bis heute.
© Heidi. Kommunikation + DesignDas Museum Herxheim erzählt Kulturgeschichte(n) von der jüngeren Steinzeit bis zur Gegenwart.Das 2005 eröffnete Museum ist das erste deutschlandweit, das sich in seiner archäologischen Abteilung ganz der ersten sesshaften Bauernkultur in Mitteleuropa widmet –der linearbandkeramischen Kultur oder kurz Bandkeramik. Eine Dauerausstellung gibt Einblicke in das Leben der Menschen vor 7000 Jahren und präsentiert zahlreiche Originalfunde aus dem jungsteinzeitlichen Herxheim. Es werden Lebensweise, Handwerkstechniken, Ernährung, Kleidung und Totenbehandlung präsentiert. Auch das Modell eines Langhauses und eines Webstuhls sind zu sehen. Ferner behandelt die Ausstellung den einzigartigen Ritualfund.
© Heidi. Kommunikation + DesignDas Modell eines steinzeitlichen Langhauses ist im Museum zu sehen.Das Herxheimer Historarium
Wenn die Mächtigkeit und Dimension der Eichenbalken die Weltgeschichte symbolisiert, dann fokussieren die Glaskästen den spezifischen Mikrokosmos von Herxheim. (Martin Metz, Eröffnung Historarium 2005)
© Heidi. Kommunikation + DesignEichenstelen im Museumhof Herxheim, gefüllt mit Geschichte und Geschichten.Entlang der Westseite des Museumshofes stehen 15 Stelen aus massivem Eichenholz aus dem Herxheimer Wald. Eingelassene Glaskästen zeigen Momentaufnahmen aus 7000 Jahren Geschichte in Herxheim. Das Element der Stele greift die Tradition der für die Region typischen Bildstöcke aber auch das allgegenwärtige Fachwerk auf. Das Eichenholz verkörpert Standfestigkeit und Haltbarkeit.
Entworfen vom Herxheimer Designer Martin Metz und gemeinsam erarbeitet mit dem Herxheimer Heimatverein, bieten kurze Texte, Modelle und Symbole anekdotenhafte Einblicke in wichtige historische Stationen, von Steinzeit über Römer und Pest bis ins Heute. Die Innengestaltung der Glaskästen ist gewollt sehr individuell und in Technik und Material sehr unterschiedlich gestaltet.
Die Stelenreihe ist jederzeit öffentlich zugänglich und vermittelt einen ersten Zugang zur Ortsgeschichte. Es handelt sich bewusst nicht um eine wissenschaftliche Darstellung von historischen Fakten oder um die Präsentation von Museumsexponaten, sondern um eine freie und spielerische Darstellung von Geschichte und Geschichten aus Herxheim.
Die Funde aus dem Gewerbegebiet West
Alle Informationen, die wir über das damalige Leben haben, stammen aus Ausgrabungen und archäologischen Funden. Die Bandkeramik ist deutschlandweit sehr gut erforscht und es gibt zahlreiche Fundstellen, aber die Funde von Herxheim sind bisher einmalig: Eine große Anzahl menschlicher Knochen wurde auf dem Gelände des heutigen Möbelhaus Weber im Westen von Herxheim gefunden. Umgehend wurden archäologische Grabungen begonnen, die für alle Beteiligten Unfassbares zutage förderten. Es fanden sich klein zerschlagenen Knochen von über 700 Menschen, Knochen vieler unterschiedlicher Tiere, zerbrochene Keramikgefäße mit Verzierungen, Mahlsteine für Getreide, Perlen und anderer Schmuck, sowie Werkzeuge aus Feuerstein, Knochen, Geweih und Felsgestein. Aufgrund der Keramikverzierungen ließ sich die Funde eindeutig der Bandkeramik zuordnen, einer archäologischen Kultur des sogenannten Neolithikums (Jungsteinzeit), die von ca. 5500 v. Chr. bis ca. 4950 v. Chr. bestand und sich zeitweise von der ungarischen Tiefebene bis ins Pariser Becken erstreckte.
Die meisten Funde aus dem Gewerbegebiet „West“ in Herxheim stammen aus einem doppelten Graben, der um eine Siedlung herum angelegt wurde. Dass die menschlichen Knochen fein zerschlagen und die Schädel auf eine ganz spezielle Weise zugerichtet worden waren, stellte die Wissenschaft vor Rätsel. Was war hier geschehen? Wer waren diese Menschen, warum wurden sie auf diese ungewöhnliche Weise behandelt und wie kann man sich die Todesursache vorstellen? Wissenschaftler*innen aus ganz Europa befassen sich seit fast 30 Jahren mit diesen Fragen. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass es sich um ein Ritualgeschehen mit Menschenopfern handelt. Nicht alles lässt sich erklären, manches bleibt rätselhaft. Im Kellergeschoss des Museums werden die Funde, Forschungsergebnisse und Erklärungstexte anschaulich präsentiert, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse fließen in die Ausstellung ein.
© Museum HerxheimAnalysen am Skelettmaterial geben Aufschluss über Krankheiten und Verletzungen. Die Ergebnisse werden im Museum vorgestellt.Kulturgeschichte
Die Exponate der kulturgeschichtlichen Abteilung im Obergeschoss des Scheunengebäudes erzählen vom Leben in Herxheim in der Neuzeit. Das Weberhandwerk, der Tabakanbau, aber auch Baugeschichtliches wird präsentiert. Neben Exponaten und erklärenden Texten bietet eine interaktive Station im Erlebnisarchiv mit Recherchezimmer einen modernen Zugang zur Kultur-und Sozialgeschichte des Ortes.
© Museum HerxheimDie Ausstellung in der Scheune zeigt spannende und ungewöhnliche ExponateSonderausstellungen
Im Fachwerkhaus finden regelmäßig Sonderausstellungen zu archäologischen und kulturgeschichtlichen Themen statt, begleitet von Vorträgen und einem museums-pädagogischen Programm. Führungen, Workshops und Aktionstage ergänzen die Ausstellungen: Das Museum präsentiert sich als außerschulischer Lernort für Schulklassen, bietet Gruppen die Möglichkeit, in einer Zeitreise die Lebenswelt der Steinzeit zu erfahren. Ob Betriebsausflug, Vereinsexkursion, Familienfeier, Kindergeburtstag oder anlassfrei, das Museumsteam stellt Ihnen gerne ein passendes Programm zusammen (Anfragen an Museumsleiterin Lhilydd Frank frank@museum-herxheim.de oder 0170 7940527). Workshops bieten Erwachsenen die Möglichkeit, alte Handwerkstechniken zu erlernen und selbst kreativ zu werden. Aktionstage sind im Mai, September und Oktober im Programm.
