Villa Wieser
Er hat der hiesigen Gemeinde für deren Zukunft eine unvergessliche Wohltat erwiesen, die nur Gott vergelten kann. (Protokoll Gemeinderatssitzung 15. Juli 1855)
Wissen für schlaue Köpfe
Die Villa Wieser entstand 1856/57 als Sommerhaus des Herxheimers Leonhard Peters. Er war nach Frankreich ausgewandert und dort als Bierbrauer reich geworden. Doch wollte er den Herxheimern zeigen, wie wohlhabend er geworden war. Deshalb ließ er mitten im Ort eine prächtige Villa im Stil eines französischen Landschlösschens errichten – mit bis zum Klingbach reichenden großen Garten, mit Stallungen und sogar einem Freibad. Heute wird die Villa von der Ortsgemeinde als Kulturzentrum, als Kunstschule und für Veranstaltungen genutzt.

Weiteführende Information
Vom Sommersitz zum Kulturzentrum
Leonhard Peters blieb seiner Heimat eng verbunden: Er unterstützte Herxheim großzügig mit Spenden, wie 5.000 Gulden und einer Wiese für den Bau des Armen- und Waisenhauses. Für seine Wohltaten wurde ihm die Ehrenbürgerwürde verliehen.
Nach mehreren Besitzerwechseln – darunter Dr. Eduard Schmitt, der hier seine Praxis führte, und Dr. Otto Wieser, der der Villa schließlich ihren heutigen Namen gab – erwarb die Ortsgemeinde Herxheim das Gebäude 1980/81 und wandelte es zu einem lebendigen Kulturzentrum um. Ein gläserner Anbau im Süden ergänzt heute die historische Architektur.
Gemeinsam mit dem Museum und dem Theatersaal des Chawwerusch Theaters bildet die Villa Wieser das kulturelle Zentrum Herxheims. Der stilvolle Konzertsaal im Erdgeschoss bietet Raum für Konzerte, Ausstellungen und Lesungen – und ist bei Brautpaaren als Ort standesamtlicher Trauungen besonders beliebt. Im Obergeschoss befindet sich der Zeichensaal der Kunstschule Villa Wieser, während der Park ringsum zum Verweilen einlädt.
Evangelische Wohnzimmer-Gottesdienste
Spannend in der Vita des Hauses ist sicher auch, dass in den 1950er Jahren im westlichen Gebäudeteil evangelische Gottesdienste abgehalten wurden. Zu dieser Zeit gab es schon 300 evangelische Gemeindemitglieder, aber noch keine eigene Kirche. Vor dem Krieg hatte es für die wenigen protestantischen Familien erste „Schulsaal Gottesdienste“ im Schulhaus gegeben, initiiert von Apotheker Friedlich Limbach. Diese wurden von den Nationalsozialisten verboten. Der Schwiegersohn und Apotheken-Nachfolger Walter Munzinger, sein Sohn Walter jun. mit seiner Frau Dorette nahmen sich weiterhin der Sache an. Die ebenfalls evangelische Familie Wieser stellte über 20 Jahre ihr Wohnzimmer in der Villa für die sonntäglichen „Wohnzimmer-Gottesdienste“ zur Verfügung. Dazu mussten immer alle nötigen Bänke und Stühle herantransportiert werden. Das Streben galt aber immer einer eigenen Kirche – 1962 wurde der Wunsch mit der Einweihung der Kirche in der Kettelerstraße erfüllt.
1925 starb Apotheker Friedrich Limbach im Alter von nur 52 Jahren. Mit seinem Tod erlebten die Herxheimerinnen und Herxheimer die erste evangelische Beerdigung auf einem rein katholischen Friedhof. Hitzig wurde im Dorf geredet, ob ein Protestant in der "geweihten Friedhofserde" begraben werden dürfe. Das bischöfliche Ordinariat in Speyer gab schließlich die Einwilligung. Das Grab ist heute noch erhalten.
Ich erinnere mich auch nach Sommergewittern an große Ströme von die Niederhohlstraße herabschießenden Wassers. Das Regenwasser bildete dann vor dem Wieserschen Anwesen einen ziemlich breiten See, der den wenigen evangelischen Kindern während einer Freistunde in der Schule – die katholischen Kinder hatten ja Religionsunterricht – eine phantastische Gelegenheit schuf, auf dem Wasser Spielzeugschiffe fahren zu lassen. (Marliese Munzinger)
